WAS KOSTET DIE WELT?

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Luxus und türkischer Jet-Set machen Urlaub auf: Joali Maldives 
Das Ende 2018 eröffnete Lifestyle-Resort Joali Maldives bringt noch mehr Glamour in das tropische Inselparadies. Gelegen im wunderschönen Raa-Atoll erleben Sie hier edlen Luxus vom Allerfeinsten gepaart mit außergewöhnliches Design und Chic.
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Bevor ich Sie aber mit Details zum luxuriösen Resort Joali Maldives unterhalte, möchte ich Ihren Blick auf eine Dame richten: Esin Güral Argat ist Tochter des Gründers der Gürallar Group und selbst sehr erfolgreich im Unternehmen des türkischen Großindustriellen tätig.
Die 50-jährige Türkin ist die Person hinter dem neuen, ultimativen Luxus-Resort. Sie ist Taktgeberin und auch die Geschmackspolizei. Alles, was an Einrichtung, Materialien und Hightech auf der Insel zu finden ist, stammt aus ihrer Feder oder wurde von ihr abgesegnet. Ein Alpha-Weibchen mit erlesenstem Geschmack – könnte man sagen. Oder sie kann nicht anders als teuer.
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Wissen Sie, ich könnte Ihnen jetzt lang und breit erzählen, wie viele Quadratmeter jede einzelne Villa hat, was Sie im Spa bekommen und wie wichtig die Komponente „Kunst“ auf Joali gehandelt wird. Die Presseagentur würde das sehr gerne lesen. Aber mich interessiert etwas anderes. Wer ist die Frau, die mich echt zum Staunen gebracht hat. Ich stand nach einer Mörder-Anreise von 26 Stunden, obwohl ich die in der meisten Zeit in der First Class verbracht habe, völlig erschossen vor meiner Dusche in der wirklich schon eindrucksvollen Villa und war baff. Ich gestehe, es ist bisher nicht oft passiert, aber ich muss sagen: WOW, wer lässt sich denn so was einfallen? Die Dusche ist 5 Meter hoch und aus grünem Marmor, der aus Bali eingeflogen wurde. Man findet diese Duschen in den meisten der 73 Villen. Können Sie sich den logistischen Aufwand vorstellen und auch den finanziellen?
Die Ansprüche sind ganz oben angesiedelt
Respekt, denke ich mir in meiner kathedralenartigen Dusche. Mein Koffer ist in der Zwischenzeit von meinem weiblichen Butler ausgepackt worden und der Inhalt im Ankleidezimmer wie in einer Luxusboutique aufgehängt.
Die Villa lässt an Luxus und Eleganz nichts vermissen. Alles ist vom Allerfeinsten, wunderschön designt und lässt sich (total nervig) nur von einem Control Panel bedienen – für den man eigentlich eine Schulung benötigen würde. Sie wohnen so ein bisschen wie ein Gast bei Frau Güral Argat privat. Die sich offensichtlich einen Traum verwirklicht und ein durchdesigntes Luxusresort geschaffen hat – natürlich nach ihren Vorstellungen und Ansprüchen. Dass diese am ganz, ganz oberen Ende angesiedelt sind, ist jedem klar, hat man es doch mit der Miteigentümerin und Erbin eines Multimillionen-Dollar-Imperiums zu tun. Down to earth ist hier nicht. Eher: „Entschuldigung, was kostet doch gleich die Welt?“
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Der längste Laufsteg der Malediven
Joali verfügt meines Wissens nach über den längsten Villensteg der Malediven. Bei meiner morgendlichen Joggingrunde bin ich dank GPS auf 1,2 km Länge gekommen. Auch die Wasservillen sind perfekt und im selben gigantischen Style eingerichtet wie die am Strand. Mein Geschmack sind sie nicht, denn 1,2 km vom Land entfernt hat wenig mit einem tropischen Urlaub unter Palmen zu tun, die sieht man bestenfalls in weiter Entfernung und ich muss mehrfach an den Film „Waterworld“ denken, als ich am Ende der Jetty ankomme.
Wo ist jetzt der Haken?
Der Slogan des Resorts lautet „Joy of Living“. Ich finde, das trifft es sehr gut. Frau Güral Argat beeindruckt mich immer wieder. Gerade was die Gastronomie angeht. Das Joali Resort verfügt über drei Restaurants. Keines gleicht dem anderen und eines ist besser als das andere. Es wird nicht gespart, was Hard- und Software angeht. Das Beste ist gerade gut genug und hat auch seinen Preis. Der liegt beispielsweise für ein Tenderloin Steak mit 200 Gr. bei 195 US$. Spült man das mit zwei Glas Champagner hinunter, ist man weitere 112 US$ los.
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Ein besonders schöner Platz ist mittags der Main Pool an der Landspitze der Insel. Ich gehöre ja zu den Menschen, die sich immer bewegen müssen, insofern gehört die tägliche Umrundung des Eilands zu meinen bevorzugten Hobbys. Eingekehrt wird für Drinks und leichtes Essen dann unter lauschigen Bäumen an charmant eingedeckten Tischen. Auch hier überlässt die Chefin hinter den Kulissen nichts dem Zufall. Die Tische sind nicht irgendwie gedeckt, sondern mit schönstem Porzellan und Tischwäsche dekoriert. Die „Mura“-Bar lockt auch mit köstlicher Pizza und kühlem Wein, der in wunderbaren Cabanas entlang dem Strand serviert wird. Ein Traum in Weiß-Blau.
Das Gym ist sensationell, der Trainer auch. Der Tennisplatz ist profimäßig und die Wassersportstation mit dem besten Equipment ausgestattet, das man sich wünschen kann. Leider wird nichts so wirklich von den Gästen genutzt.
Ok, denken Sie, wo ist jetzt der Haken? Es gibt keinen, kann ich Ihnen antworten! Vorausgesetzt, sie stammen auch aus einer Großindustriellenfamilie, sind Fußballweltmeister,
Jennifer Lopez oder Rapp-Star. Dann mieten Sie sich die Insel und fragen: „War was?“ Für alle anderen heißt es einmal trocken schlucken, wenn es ans Zahlen geht.
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The joy of spending
Um Sie mit harten Fakten und nicht mit weichen PR-Phrasen zu unterhalten, habe ich eine Testbuchung online gemacht zur selben Zeit, wie ich auch im Joali war, nur ein Jahr später.
Die Beach-Villen-Einstiegskategorie, die ich auch bewohnt habe, kostet vom 7. bis 14. März 2020 laut Joali online: 29.905 US$ mit Übernachtung und Frühstück für zwei Personen. Dazu kommen noch Seaplane-Flüge mit gut 2000 US$. So, nun haben Sie noch nichts zu Abend gegessen und der Sundowner war auch noch nicht dabei. Das Spa kennen Sie nur von außen, Wasserski wurde auch noch nicht gefahren und den Champagner lassen wir gleich auch mal weg.
Ich schätze, wenn Sie mit den bescheiden gehaltenen Nebenkosten fertig sind, haben Sie die Marke der 37.000 US$ leicht überschritten – wenn Sie nicht zu sehr auf den Putz hauen. Ihre internationalen Flüge ab/bis Male kommen nochmals so mit 8.000 US$ in der Business Class obendrauf. Also sind wir bei 45.000 US$ – umgerechnet 40.000 Euro für sieben Nächte für zwei Personen. Rund 5.700 Euro pro Tag für den Spaß. Ich finde, das relativiert „the joy of living“ schon wieder ein bisschen. Aber wie gesagt: Das ist keine Kritik, sondern nur die Wahrheit. Das Resort hat keinen Fehler. Es ist wunderschön und das Design und die Villen sind gigantisch. Man muss es nur bezahlen wollen und können.
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Gut, dass es sich nicht jeder leisten kann
Es ist vielleicht ganz gut, dass es nicht jeder leisten kann, wird sich Frau Güral Argat gedacht haben. Denn die Welt bietet genug Superreiche, Topmodels, Ölquellenbesitzer oder Personen aus Dunstkreisen, wo man nicht richtig durchblickt, wie sie ihr Geld verdient haben, das sie dann sehr gerne großzügig ausgeben. Nein, viel besser: Es nicht mal merken, wenn sie es ausgeben. Was will ich da mit meinen zwei lächerlichen Gläsern Schampus. Der wird doch für den internationalen Jetset nur in Kisten geliefert und abgerechnet.
Nur leider habe ich diese illustren Personen bei meiner Anwesenheit nirgends gesehen – und außer schlecht erzogenen Kindern mit Nannys und uninteressierten Eltern ist mir keine internationale Schönheit oder wichtiger Finanzjongleur aufgefallen. Ich finde, da hätte man wenigstens was von dem eingesetzte Geld und kann sich ein bisschen im Fame der VIPs erfreuen und sonnen. Ich war auch abends immer die Einzige in der Bar und fast alleine in den À-la-Carte-Restaurants. Irgendwie hatte ich da wohl eine Zeit erwischt, wo die Giga-Reichen nicht auf Urlaub gehen.
Einzig und alleine bei der Resort-Boutique muss Frau Güral Argat noch nachkalkulieren, die war zu billig. Dort hatten doch glatt die Pumps von Aquazzura denselben Preis wie bei Theresa in München. Das kann nicht sein. Wenn ich die Weinkalkulation – sprich deutscher Restaurantpreis x 10 – ansetze, hätten die Schuhe 7.500 Euro kosten müssen. Aber das fällt den Damen eventuell nicht auf, die mit den Herren anreisen, die sich nur um die ganz großen Zahlen kümmern.
Das Resort Joali Maldives hat mir wirklich gut gefallen, ich würde auch wiederkommen. Allerdings – ach, lassen wir das!
Weitere Informationen: www.joali.com
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