MARRAKESCH: WO SIND DIE WAFFENHÄNDLER?

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Der Duft nach Gewürzen und Minz-Tee, quirliges Chaos, Shabby Chic und Souks prägend das Stadtbild der Medina von Marrakesch. Ein Ort, so leb- und zauberhaft, so vielfältig und fremd zugleich, dass man oft aus dem Staunen nicht herauskommt und ihn am liebsten in kleinen Portionen genießt. 

Mein Weg führt mich in Marrakesch auch in das berühmte Hotel Royal Mansur. Das Hotel liegt innerhalb der Mauern der Altstadt von Marrakesch und ist eine Oase aus eleganten Riads, ruhigen Innenhöfen und feinen Restaurants. Es ist vom Luxus her fast nicht zu übertreffen – kein Wunder – denn es gehört auch dem marokkanischen König. Es wurde nicht gespart. Luxus, Prunk, Gold und Großzügigkeit, orientalische Eleganz und Heerscharen von Personal umschwirren die Gäste.

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Im letzten Abendlicht … Der Innenhof leuchtet …

 

Ich wollte mir das Hotel schon immer einmal ansehen und so reservierte ich einen Tisch im traditionellen marokkanischen Restaurant „Le Grande Table Marocaine“. Diesem Besuch ging eine sehr interessante Geschichte voraus die sich vor einiger Zeit ereignete.

Die deutsche Presseagentur des Hotels, zuständig für Presseanfragen und entsprechende Einladungen in das Hotel teilte mir mit, dass sie meiner Anfrage zu einen Aufenthalt leider nicht nachkommen kann. Der König, bzw. sein mit ihm gerade bei dem Hotel extrem feinfühliger Pressestab wünschen nur Pressevertreter wichtiger Publikumszeitschriften wie die deutsche Vogue oder Elle – gerne auch die Süddeutsche Zeitung oder die FAZ.

Naja, ein Magazin Exclusiv kann vielleicht nicht mit der FAZ mithalten was Auflage und Leserschaft in Anzahl angeht, aber vielleicht habe ich einen anderen Blick für Luxus und mehr Erfahrung was Highend-Resorts angeht, als die Kollegen der Tagespresse mit Schwerpunkt Politik. Auch das Argument, dass meine Leser bevorzugt solche Resorts suchen um exklusive und besondere Urlaube zu verbringen zog nicht.

Es vergingen einige Wochen und eines Tages lag der Erguss der Kollegin der FAZ vor mir. Die Dame hatte eine komplette Seite mit dem Titel „Irrsinn Royal“ versehen und lies sich über Verschwendung und Grosskotzigkeit marokkanischer Eliten aus. Die Gäste bezeichnete sie als Mischung aus Paradiesvögel und Waffenhändler und zum Schluss ging sie noch auf die Mutter des Königs los. Sicher können Sie, lieber Leser, sich vorstellen, dass es mir ein wunderbares Vergnügen war den Artikel der Dame zu lesen, die politisch wohl hart links eingestellt war und schon nicht das leiseste Verständnis für die Bewässerung der Gartenanlagen hatte, wo doch viel mehr für die Bauern getan werden müsste. Da hilft auch eine hohe Auflage nichts – ganz im Gegenteil.Übrigens verging nicht viel Zeit und die PR-Agentur fragte bei mir an, ob ich nicht doch Interesse an einem Marrakesch-Besuch hätte und mir das Royal Mansur mal persönlich ansehen möchte. Ist eigentlich ganz schön, wenn man sieht, dass auch ein König lernfähig ist.

Nun gut, dies ist nun schon einige Zeit her. Die PR-Agentur betreut den Kunden nicht mehr und ich war mit meinen beiden Gastgebern in der Stadt so zufrieden, dass mir mit einem Dinner im Royal Mansur völlig ausreichte…

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Die Bar beeindruckt mit den Details in der Ausstattung

 

Zugegebenermaßen ist das Hotel eine Wucht. Elegant und wunderschön. Gerade am Abend wenn tausende Lämpchen leuchten und den Innenhof und die Wasserspiele romantisch ins rechte Licht setzen.

Die Gäste-Riads sind wunderschöne kleine Stadthäuser, die Einrichtung hat mich aber nicht umgehauen. Bar, Innenhof und die Restaurants lassen aber keine Wünsche in Punkto Design und Einrichtung offen. Nur anderes Publikum hätte ich mir gewünscht. Beispielsweise die besagten Waffenhändler oder Paradiesvögel. Gerne auch in Begleitung entsprechender Damen. Schick, in extravaganten Roben. Stattdessen bekomme ich die üblichen lauten Amerikaner in schlechter Kleidung und biedere Asiaten zu Gesicht. Das schönste Haus verliert seinen Glanz wenn die Gästestruktur so bescheiden aussieht. Meine übliche Frage: wie zahlen die bitte die Nacht mit 2000$, wenn sie nicht mal ordentliche Schuhe an den Füssen tragen…?

Der Service im Innenhof zum Apero ist lahm und es zieht uns ins Restaurant. Dieses ist an goldenen Details und exklusiver Ausstattung nicht zu überbieten. Es wird nicht gekleckert – sondern so richtig geklotzt. Der Service ist nett und ok. Die traditionelle Handwaschung am Tisch sehr publikumswirksam und eine schöne Show für die Touristen. Aber der Sommelier braucht viel zu lange um eine Flasche Wein vorbei zu bringen. Die Vorspeise ist schon am Tisch – der Wein fehlt. Das darf nicht passieren. Geschmacklich ist Vor- und Hauptspeise sehr gut, aber nichtbombastisch, an die Nachspeise kann ich mich leider nicht mehr erinnern.

Zusammen gefasst ist das Royal Mansur optisch perfekt und inhaltlich „nice“. Ob man dafür soviel Geld ausgeben muss, kann jeder selber entscheiden. Servicemässig ist noch sehr viel Luft nach oben, dies ist aber eigentlich überall in Marrakesch so gewesen. Bemüht – aber eben nicht den Preisen angepasst.

 

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Warten auf Wein und Essen. Der Wein war leider mühsam zu bekommen ….

 

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Nice: auf den ersten Blick hübsch – auf dem 2. liegen halt die Kissen irgendwie so rum und das Personal lässt es auch so liegen …

 

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Mein Mann wäscht seine Hände in Unschuld und am Tisch… Nette Idee. Überbrückt die Wartezeit auf den Wein, der immer noch nicht da ist ….

 

 

 

 

 

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